Pferde sind der Spiegel unserer Seele.
Pferde begegnen uns unvoreingenommen; Egal, welchen Hintergrund wir mitbringen, wie wir aussehen, welche Leistungen wir im Alltag vollbringen – selbst, welche Sprache wir sprechen, spielt für sie kaum eine Rolle, Sie kommunizieren nonverbal und nehmen uns mit ihrem sensiblen Wesen an, wie wir sind. Für sie zählt einzig die Art der Begegnung in diesem Moment. Sie tragen uns und schenken uns ehrliche und direkte Zuwendung. Diese wundervollen Therapeuten lassen uns wachsen und Vertrauen und Wärme finden.
Reittherapie im Schönbuch
Die Arbeit mit dem Co-Therapeuten Pferd
Meine Arbeit in der Reittherapie ist geprägt von meiner langjährigen Erfahrung mit der Lichtenberger® Methode. Im Mittelpunkt steht dabei die achtsame Wahrnehmung der Zusammenhänge zwischen Körper, Psyche und autonomem Nervensystem.

Unter dem Leitgedanken „sensorische Wachheit und motorische Ruhe“ geht es darum, die eigene Wahrnehmung zu verfeinern, körperliche und emotionale Reaktionen bewusster wahrzunehmen und vorhandene Ressourcen zu entdecken. Nicht Leistung oder das Erreichen eines bestimmten Ziels stehen im Vordergrund, sondern ein behutsamer Prozess, der sich am individuellen Tempo des Menschen orientiert.
Das Pferd als feinfühliger Begleiter
Eine besondere Rolle übernimmt dabei das Pferd als Co-Therapeut. Pferde begegnen Menschen unmittelbar und ohne zu bewerten. Sie reagieren sensibel auf Körpersprache, Spannung, Bewegung und Stimmung und können dadurch eine sehr direkte Form der Rückmeldung ermöglichen.
Die Begegnung kann ganz unterschiedlich aussehen: beim Putzen und Streicheln, beim gemeinsamen Führen und Spazierengehen oder auf dem Rücken des Pferdes. Das ruhige, rhythmische Getragenwerden und die gemeinsame Zeit in der Natur können dabei helfen, zur Ruhe zu kommen und den eigenen Körper bewusster wahrzunehmen.
Mit zunehmendem Vertrauen entsteht häufig eine immer feinere Kommunikation zwischen Mensch und Pferd. Dabei können Selbstvertrauen, Selbstwahrnehmung und das Gefühl von Sicherheit gestärkt und Momente von Ruhe, Freude und Lebendigkeit erlebt werden.
Für das Pferd spielt es keine Rolle, welche Geschichte ein Mensch mitbringt. Entscheidend ist die Begegnung im gegenwärtigen Moment.
Für wen ist Reittherapie geeignet?
Mein reittherapeutisches Angebot richtet sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sich eine individuelle, pferdegestützte Begleitung wünschen.
Dazu gehören beispielsweise Menschen…
- in belastenden Lebenssituationen, bei Trauer, Stress oder Erschöpfung,
- mit Ängsten oder psychischen Belastungen,
- mit besonderem Bedarf an Ruhe, Wahrnehmung und Regulation,
- mit Entwicklungs- oder Aufmerksamkeitsbesonderheiten,
- mit körperlichen oder neurologisch bedingten Einschränkungen,
- sowie Menschen, die über die Begegnung mit dem Pferd neue Erfahrungen mit Vertrauen, Selbstwahrnehmung und Selbstwirksamkeit machen möchten.
Jede Begleitung wird individuell gestaltet und orientiert sich an den persönlichen Möglichkeiten und Bedürfnissen des jeweiligen Menschen.
Reittherapie ist eine unterstützende und begleitende Maßnahme. Sie ersetzt keine notwendige ärztliche, physiotherapeutische oder psychotherapeutische Diagnostik oder Behandlung.
Ponyclub Herz & Mähne
Auch Kinder ohne besonderen therapeutischen Unterstützungsbedarf sind auf der Tinker Ranch willkommen. Im Ponyclub Herz & Mähne können sie in einem ruhigen und persönlichen Rahmen erste Erfahrungen mit Pferden sammeln, den achtsamen Umgang mit ihnen kennenlernen und Vertrauen entwickeln.

Warum das Pferd?
Ein Beitrag von
Gudrun Marquardt-Teuscher
Worin liegt die Chance im Umgang mit dem Pferd?
Pferde kommunizieren non-verbal. Das heißt, anstatt, wie wir Menschen über unsere analog-verbale Sprache sprechen, verständigen sie sich über feinste körpersprachliche Signale. Ihre Sinne sind hoch entwickelt, um kleinere Regungen und Stimmungen wahrzunehmen. Als Gruppen- und Fluchttiere sind sie darauf angewiesen, von weitem Gefahren und kleinste Zeichen von Unruhe rechtzeitig zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Dabei sind sie auf eine funktionierende Gruppe angewiesen. Das Herdengefüge gibt Halt und Sicherheit. Ohne Herde wären sie in der Wildnis verloren.
Auch Menschen gegenüber sind Pferde mit allen Sinnen offen. Sie spüren Stimmungen von weitem und reagieren – sei es, wie einem Fohlen gegenüber tröstend, beruhigend oder auch manchmal streng, oder einfach wie ein treuer Freund und Weggefährte, bei dem es keinerlei Erklärung bedarf.
Inwiefern trösten Pferde?
Dazu zwei wichtige Punkte in Bezug auf Bindung und den Bewegungsdialog:
1. Was bedeutet Bindung?
- Der Kern einer stabilen Bindung ist bedingungslose Liebe und Akzeptanz, so wie wir es im besten Fall von unseren Eltern, evtl. Geschwistern oder sehr engen Freunden erfahren. Ein Mensch, der auf stabile Bindungen zurückgreifen kann, wird durch Krisen anders hindurchgehen, d.h., eine andere Resilienz zeigen, als Menschen, denen es an stabilen Bindungen mangelt.
Eine Studie der Cambridge University von 2017 mit dem Namen “Pets, not siblings, are a child’s best friend” beschreibt, dass die Qualität der Bindung von Kindern zu ihren Haustieren der Qualität von Kindern zu festen Bezugspersonen entspricht und oft tiefer ist, als zu Geschwistern. Kinder unterscheiden dabei nicht, ob es sich um einen Menschen oder um ein Tier handelt. Bei ihren Haustieren können sie ihre Ängste abladen, ihre Sorgen, ihre Freude, ihren Frust – kurz, sie können sein, wie sie sind.
Wenn nun eine stabile Bindung zu zerbrechen droht oder bereits zerbrochen ist – zum Beispiel durch die schwere Erkrankung oder den Tod einer engen Bezugsperson, so kann das offene und bedingungslose Beziehungsangebot des Pferdes eine enorme Stütze sein in Phasen der psychischen Instabilität. Das Pferd fordert lediglich einen respektvollen Umgang mit ihm, darüber hinaus erwartet es nichts. Es stellt sich zur Verfügung, setzt nicht unter Druck, ist unvoreingenommen und hat keinerlei Ansprüche an Aussehen, Stimmung, Herkunft, Konformität, Bildung, Können usw. Es bietet sich an zu trösten, zuzuhören und zu tragen. Allein der Gedanke an diesen treuen Freund und Weggefährten wird, wenn er erst einmal ins Herz geschlossen wurde, trösten. Ressourcen können in diesem Umfeld, bei dem das autonome Nervensystem alle Voraussetzungen vorfindet, sich zu beruhigen, reaktiviert und aufgebaut werden. Selbstwirksamkeit kann erfahren, Freude und Sinn wiederentdeckt und Stabilität gefunden werden, so dass die (jungen) Menschen wieder gestärkt die Aufgaben des Lebens bewältigen können.
2. Der Bewegungsdialog auf dem Pferd
- Sitzend auf dem Pferderücken erfahren wir eine passive, dreidimensionale Bewegung. Das heißt, unser Körper wird bewegt nach oben, unten, rechts und links. Wie automatisch finden wir nach und nach unsere Mitte, während unser Becken kontinuierlich gleichmäßig um sein Zentrum kreist. Unwillkürlich beruhigt sich unter diesem Bewegtwerden das autonome Nervensystem, die Atmung wird tiefer, der Blutdruck sinkt, die Muskulatur entspannt sich. Das Getragenwerden auf dem 38 Grad warmen Pferdekörper erinnert an das Gewiegt- und Geschaukeltwerden des Säuglings durch die Mutter, auch bereits pränatal. Es löst oft Anspannungen und schenkt ein tiefes Gefühl von Geborgenheit. Durch non-verbale Kommunikation verständigen sich die beiden Körper. In der Gangart Schritt sendet das Pferd ca. 100 Bewegungsimpulse pro Minute aus. 100 Bewegungsimpulse pro Minute werden vom getragenen Menschen beantwortet. Es ist ein “Sich-aufeinander-Einstellen” der beiden Beteiligten. Nach dem Motto: Man kann nicht nicht kommunizieren.
Wenn Worte fehlen, wenn manchmal ein verbaler Austausch nicht möglich ist, kann das Pferd tragen, wiegen und “unter-stützen”. Darin liegt eine enorme Chance, wieder zu einer körperlichen und seelischen Balance zu finden.
Text: Gudrun Marquardt-Teuscher · © 2026
Interview mit Dr. Maren Rilk
Dr. med. Maren Rilk, Ärztin an der psychiatrischen Klinik der Universitätsklinik Tübingen hat sich freundlicherweise bereit erklärt, für meine Abschlussarbeit eine Einheit mit dem Pferd bei mir zu absolvieren und anschließend in einem von mir geführten Interview ihre Erfahrungen und Einschätzungen aus ihrer Sicht als Ärztin vor dem Hintergrund ihrer beruflichen Erfahrungen zu beantworten.
Ich danke ihr für ihre Bereitschaft und ihr großes Interesse an der tiergestützten Therapie.
Einen kurzen Ausschnitt des Interviews finden Sie hier.

Interview
mit
Dr. Maren Rilk
Gudrun Marquadt-Teuscher (GMT): Welche Empfindung hat Lotti während der Übungen bei dir ausgelöst?
Dr. Rilk: Ich habe schon vor ihr als Lebewesen Respekt, ich sehe sie natürlich nicht als Ding oder Sache. Sie ist als Geschöpf sehr präsent. Sie reagiert zurück und stellt eine Bindung her, die man in dem Moment, in dem man sich von ihr bewegen lässt, nicht kappen kann, es ist aber ein positives Erlebnis. Zwischendrin fühlte ich mich komplett eins mit ihr, als ich mich richtig entspannen und mitbewegen konnte. Da war es, als wäre ich vergrößert durch sie. Ihre Reaktionen, die du dann übersetzt hast, habe ich mitbekommen. Das Schnauben als positive Reaktion hat mich natürlich gefreut, Lottis Rückmeldungen sind sehr schön, das tut gut und ist sehr ursprünglich, organisch – schwer, in Worte zu fassen. Und es sind keine Rückmeldungen, die werten. Lotti ist ein Spiegel. Lotti regt aber auch an. Sie ist wie ein Motor, mit dem ich mit muss. Ich hatte das Gefühl, ich verbreitere mich, was ich so nicht kannte, aber als etwas Positives erlebt habe. Ich konnte Verantwortung abgeben, ohne Sorge zu haben. Lotti ist als Wesen für mich erst einmal fremd, aber sehr spannend. Sie hat einen annehmenden, einladenden Eindruck gemacht. Am Anfang schaute sie mich an und war interessiert. Das war für mich wichtig, denn ich hatte Sorge, ob ich mich zumuten kann. Aber wenn Lotti einen anschaut, ist sie sehr lieb und einladend. Sie nimmt direkten, unmittelbaren Kontakt auf. Das schafft Vertrauen und eine gute Ausgangsposition.
GMT: Welche Rückmeldungen hast du bei ihr wahrgenommen, wenn du mit deinem Körper in Verbindung gegangen bist?
Dr. Rilk: Die Rückmeldungen kamen sofort. Wenn ich mich aufgerichtet habe, ging sie schneller, wenn ich zusammengesackt bzw. ohne Körperspannung war, ging sie langsamer. Sie hat schnell auf mich reagiert und ich habe gespürt, wenn bei ihr etwas anders war, beispielsweise, wenn sie einem Stein auswich und deshalb ihren Tritt kurz veränderte. Das war aber nie erschreckend, sondern immer eingebettet in ein harmonisches Ganzes.
GMT: Welche Auswirkungen hatte das in dem Moment auf deine Beziehung zu deinem Körper? Keine? Freundlich? Ablehnend?
Dr. Rilk: Es war überraschend, dass mein Körper so eine Macht hat. Es war eine kraftvolle Erfahrung, dass ich durch meinen Körper eine Ausstrahlung habe, die etwas bewirkt, also, dass Lotti sofort reagiert hat.
GMT: Könnte das deine Einstellung zu deinem Körper verändern?
Dr. Rilk: Ja, das glaube ich. Weil es dazu auch noch ein schönes Erlebnis war. Beispielsweise, sich aufzurichten. Die Lage, die man da inne hatte, hatte etwas sehr Schönes, Lebendiges, weil die ganze Zeit etwas Angenehmes passierte. Ich fühlte mich nicht statisch oder nur in Gedanken, im Kopf verhaftet, sondern trotz Körperspannung weich. Es war eine Körperempfindung auf eine völlig andere Weise, nämlich viel im Bereich des Fühlens. Und ich konnte selbst etwas bewirken. Ich denke, das Erleben des „Getragenwerdens“ beeinflusst auch direkt Prozesse im autonomen Nervensystem, die der willkürlichen Beeinflussung sonst nicht einfach so zugänglich sind.
GMT: Welche Empfindung hat Lotti während der Übungen bei dir ausgelöst?
Dr. Rilk: Ich habe schon vor ihr als Lebewesen Respekt, ich sehe sie natürlich nicht als Ding oder Sache. Sie ist als Geschöpf sehr präsent. Sie reagiert zurück und stellt eine Bindung her, die man in dem Moment, in dem man sich von ihr bewegen lässt, nicht kappen kann, es ist aber ein positives Erlebnis. Zwischendrin fühlte ich mich komplett eins mit ihr, als ich mich richtig entspannen und mitbewegen konnte. Da war es, als wäre ich vergrößert durch sie. Ihre Reaktionen, die du dann übersetzt hast, habe ich mitbekommen. Das Schnauben als positive Reaktion hat mich natürlich gefreut, Lottis Rückmeldungen sind sehr schön, das tut gut und ist sehr ursprünglich, organisch – schwer, in Worte zu fassen. Und es sind keine Rückmeldungen, die werten. Lotti ist ein Spiegel. Lotti regt aber auch an. Sie ist wie ein Motor, mit dem ich mit muss. Ich hatte das Gefühl, ich verbreitere mich, was ich so nicht kannte, aber als etwas Positives erlebt habe. Ich konnte Verantwortung abgeben, ohne Sorge zu haben. Lotti ist als Wesen für mich erst einmal fremd, aber sehr spannend. Sie hat einen annehmenden, einladenden Eindruck gemacht. Am Anfang schaute sie mich an und war interessiert. Das war für mich wichtig, denn ich hatte Sorge, ob ich mich zumuten kann. Aber wenn Lotti einen anschaut, ist sie sehr lieb und einladend. Sie nimmt direkten, unmittelbaren Kontakt auf. Das schafft Vertrauen und eine gute Ausgangsposition.
GMT: Welche Rückmeldungen hast du bei ihr wahrgenommen, wenn du mit deinem Körper in Verbindung gegangen bist?
Dr. Rilk: Die Rückmeldungen kamen sofort. Wenn ich mich aufgerichtet habe, ging sie schneller, wenn ich zusammengesackt bzw. ohne Körperspannung war, ging sie langsamer. Sie hat schnell auf mich reagiert und ich habe gespürt, wenn bei ihr etwas anders war, beispielsweise, wenn sie einem Stein auswich und deshalb ihren Tritt kurz veränderte. Das war aber nie erschreckend, sondern immer eingebettet in ein harmonisches Ganzes.
GMT: Welche Auswirkungen hatte das in dem Moment auf deine Beziehung zu deinem Körper? Keine? Freundlich? Ablehnend?
Dr. Rilk: Es war überraschend, dass mein Körper so eine Macht hat. Es war eine kraftvolle Erfahrung, dass ich durch meinen Körper eine Ausstrahlung habe, die etwas bewirkt, also, dass Lotti sofort reagiert hat.
GMT: Könnte das deine Einstellung zu deinem Körper verändern?
Dr. Rilk: Ja, das glaube ich. Weil es dazu auch noch ein schönes Erlebnis war. Beispielsweise, sich aufzurichten. Die Lage, die man da inne hatte, hatte etwas sehr Schönes, Lebendiges, weil die ganze Zeit etwas Angenehmes passierte. Ich fühlte mich nicht statisch oder nur in Gedanken, im Kopf verhaftet, sondern trotz Körperspannung weich. Es war eine Körperempfindung auf eine völlig andere Weise, nämlich viel im Bereich des Fühlens. Und ich konnte selbst etwas bewirken. Ich denke, das Erleben des „Getragenwerdens“ beeinflusst auch direkt Prozesse im autonomen Nervensystem, die der willkürlichen Beeinflussung sonst nicht einfach so zugänglich sind.
Ein Interview von Gudrun Marquardt-Teuscher mit Dr. Maren Rilk
© 2026 Gudrun Marquardt-Teuscher